
Selbsterfahrung ist der Weg von der Fremd- zur Selbstbestimmung des Geistes. Der menschliche Geist ist eine Kombination aus drei Dimensionen, die einander permanent wechselseitig beeinflussen: Kognition, Gefühle und Verhalten. Das Selbst entscheidet sogar über die Theorien, die es akzeptiert oder verwirft. Es baut ein theoretisches Netzwerk, das durch seine Geschichte und Erfahrungen verifiziert und zusammengehalten wird.
Selbsterfahrung, genauer noch deren Produkt, die Selbsterkenntnis, wird zur Notwendigkeit, wo die bisherigen Wege (vorhandenes Denken und Handeln) an Grenzen gelangen.
Durch Selbsterkenntnis erhalten wir die für das Lernen wichtige
Bewusstseinserweiterung. Dabei soll das Interesse auf die Person und die
Beschreibung ihrer „Beziehung zu sich selbst“ und nicht bloß auf eine
beobachtbare Verhaltensänderung gerichtet sein. Verhaltensänderung ist immer eine
Beobachterbeschreibung (Fremdbild) und bezieht sich auf dessen Wahrnehmung.
Über das Nervensystem im Gehirn entsteht durch Selbsterfahrung das
Selbstbewusstsein. Unser Nervensystem ist ein funktional in sich
geschlossenes System, innerhalb dessen jede Zustandsveränderung eine weitere
Zustandsänderung im System hervorruft. Die von Freud entdeckten
„unbewussten Fehlleistungen“ werden über diesen Weg bearbeitet und bewusst
gemacht. Erst von da an können die Verhaltensmuster als bewusstes Denken und
Handeln eingesetzt werden. Dann „geschieht es nicht mehr mit mir“, sondern
ich „lasse geschehen“.
Häufig erfolgt Selbsterfahrung in Gruppen. Dabei kann die Gruppe unter einem bestimmten Motto stehen (z.B. Konfliktbewältigung für Paare, Entwicklung emotionaler Kompetenz, Entwicklung beruflicher Kompetenz).
Die Gruppe bietet einen Rahmen, in dem aktuelle Konflikte und Schwierigkeiten, aber auch lang bestehende Probleme, an- und ausgeprochen werden können. Dabei ist die Gruppe Ort des Gehört- und Verstanden- bzw. Angenommen-Werdens. Klärungen werden möglich und positive persönliche Entwicklungen und Veränderungen beginnen. Dies alles im sicheren Gruppenrahmen unter fachlicher Leitung der Trainerin oder des Trainers.
